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© 2019 Maximilian Helm

Siemens' PR-Panne des Jahres

Ein Vorstandsposten für eine Klimaaktivistin? Siemens-Chef Joe Kaeser versucht sich an guter Presse. Wie gesagt, "versucht".


Ein Siemens-Auftrag über 18 Millionen? Für einen Konzern, der am Tag 400 Millionen Euro macht, keine große Sache. Dass diese Beteiligung jemandem aufgefallen ist, liegt nur an der medialen Präsenz Australiens. Und Australiens Kohle.


Seit einigen Jahren plant der indische Bergbaukonzern Adani im Nordosten Australiens eine riesige Kohlemine. "Carmichael" heißt das Loch, aus dem bis 2080 stolze 2,3 Milliarden Tonnen Kohle gefördert werden sollen. Der Rohstoff soll dann direkt verladen und vom 180 Kilometer entfernten Hafen Abbot Point nach Indien verschifft werden.


Ein Projekt, so gewaltig wie umstritten. Das aus der Erde geholte Material bildet 80 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid jährlich. Bauern und Bürger fürchten um das Grundwasser. Die Aborigines sind geteilter Meinung - einige unterstützen das Projekt und erhoffen sich persönlichen Wohlstand.


Und Siemens? Will Signalanlagen zwischen Mine und Hafen bauen. Im Juni letzten Jahres wurden die Verträge unterzeichnet. Bis im Dezember Fridays for Future protestierten. Sie verschickten 70.000 E-Mails an Siemens, starteten eine Petition mit 60.000 Unterschriften und organisierten Demonstrationen vor vielen Konzernablegern. Erst dadurch erfuhr Siemens-Chef Joe Kaeser überhaupt von dem Projekt. Er kündigte an, das Für und Wider abwägen zu wollen.


Am 10. Januar traf sich Kaeser sogar mit Luisa Neubauer von Fridays for Future. Es sollte der große Aufschlag werden. Er bot Neubauer nicht nur einen Sitz im Aufsichtsrat bei Siemens Energy, der neuen Energiesparte von Siemens an, sondern verkündete, dass man bis 2030, vielleicht sogar schon 2025 emissionsneutral sein werde.


Die Schlagzeilen waren ihm so sicher wie die ungeteilte Aufmerksamkeit von Greta Thunberg bis zu den Wirtschaftsredaktionen Deutschlands. Doch noch stand eine Entscheidung aus: Wird Siemens den Adani-Auftrag annehmen oder nicht? Am späten Sonntagabend entschied der Siemens-Aufsichtsrat: Pro Wirtschaft, contra Reputation. Die Signalanlagen werden geliefert.


Auch der Neubauer Move-ging nach hinten los. Die 23-Jährige kennt offenbar das Deutsche Recht und weiß, dass man als Aufsichtsratsmitglied nicht entgegen der Konzerninteressen operieren darf. Sie sagte Kaeser ab, schlug zeitgleich eine Vertretung durch die "Scientists for Future" vor. Darauf wiederum wollte sich der Siemens-Chef nicht einlassen.


Es ist die größte Aufmerksamkeit für die schlechteste Entscheidung. Mit der Einladung Neubauers hat Kaeser alle auf diese Entscheidung des Aufsichtsrates gestoßen. Der entschied sich pro Adani. Dahin das Bild vom verantwortungsvollen, grünen Konzern, vom Vorreiter Kaeser und von der Macht der Öffentlichkeit. Was bleibt ist eine Mine, jede Menge Dreck und ein PR-Gau sondergleichen.

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