Wie ein Dorf zerfällt

In Taubenheim verwahrlosen historische Gebäude. Bürger beschuldigen den Investor, doch das ist nur die halbe Wahrheit.


Wer an der Bushaltestelle in Taubenheim gemütlich im Wartehäuschen sitzt und auf die Abfahrt wartet, der sieht wenig Schönes. Direkt gegenüber steht ein Bauzaun, dahinter ein ehemals stattliches, inzwischen verfallenes Haus. Die Scheiben sind eingeschlagen, das Dach eines Nebengebäudes ist löchrig und morsch, ein Schild kündigt von andauernden Baumaßnahmen. Von denen ist wenig zu sehen.


Das als Keips Gut bekannte Ensemble ist nicht das einzige leerstehende, historische Gebäude in Taubenheim. Denn unweit befinden sich die alte Schule und das Schloss samt großem Garten, alles ungenutzt. Dagegen regt sich seit geraumer Zeit Widerstand im Dorf.


Im Mai wurde nun dem Bürgermeister der Gemeinde Klipphausen, Gerold Mann (parteilos), eine Petition mit 27 angehängten Unterschriften von Taubenheimer Bürgern übergeben. Sie fordern die Gemeinde auf, tätig zu werden und endlich dafür zu sorgen, dass in die Gebäude investiert wird. Für einen Ort wie Taubenheim könnten diese Gebäude einen Mehrwert bieten – im derzeitigen Zustand nützen sie niemandem etwas.


"Vieles ist schief gelaufen"

Die Wut der Taubenheimer richtet sich dabei gegen einen Mann: Georg Heidig aus Munzig. Heidig, der aus Franken stammt und seit vielen Jahren in der Region lebt, gehören diese drei Immobilien im Herzen des Dorfes. Das Gut kaufte er 2002 von der Gemeinde, ebenso wie 2013 die alte Schule. 


Für das Schloss, das dem Landkreis gehörte, bezahlte er 2004 nur 63.000 Euro. Investitionsverpflichtungen waren nicht an den Kauf geknüpft. „Ich habe es als Spekulationsobjekt gekauft, um es später wieder zu verkaufen“, sagt er. Ohne Auflagen müsse er nur für die Sicherung sorgen. Das tut er: Eine ausführliche Begehung des Schlosses Taubenheim bescheinigte dem Bau 2015, in einem guten Zustand zu sein.


Heidig ist Geschäftsmann. Er leitet die „Gesellschaft für Soziale Einrichtungen“ (GSE), die in Obermunzig eine sozialtherapeutische Wohnstätte für Suchtkranke betreibt. Das Unternehmen ist wirtschaftlich gesund, erfuhr die SZ aus vertrauenswürdiger Quelle. Andernorts hat Georg Heidig gezeigt, dass er die Sanierung von Denkmälern stemmen kann, wie zum Beispiel den historischen Gasthof „Alma Kasper“ in Burkhardswalde, der jetzt auch Therapiestandort ist.


Laut dem Klipphausener Bürgermeister Gerold Mann seien Heidigs bisherigen Erfolge das Hauptargument gewesen, ihm trotz Leerstand von Schloss und Gut auch noch die Schule zu überlassen. „Er hat bewiesen, was er kann“, sagt Mann. Es gebe nicht viele Interessenten für die Immobilien, und Heidig sei dabei die beste Wahl gewesen.


Abreißen - oder nicht?


 Sein Konzept, das das ganze Dorf umfasst und sowohl Gastronomie, als auch Wohneinheiten und sogar eine Brennerei enthält, habe ihn überzeugt. Von der Petition lässt sich der Bürgermeister nicht unter Druck setzen und verweist auf einige Bemühungen in Taubenheim, wie die Einrichtung einer Kita, die Sanierung der Bachläufe und die Schaffung einer Ortspraxis. Trotzdem gibt er zu, dass „in Taubenheim vieles schief gelaufen ist.“


Solange Heidig der Besitzer dieser Gebäude ist, wird sich wohl auch nichts daran ändern. Die Schuld für das Scheitern seines Gesamtkonzepts sieht der Investor bei den Ämtern: „Es gab fertige Pläne, aber die hat der Denkmalschutz abgelehnt“, erklärt Heidig. Konkret sei es um einen Teil von Keips Gut gegangen, der aus Sicht des Franken unbrauchbar war, dessen Abriss das Amt allerdings nicht gestattete. Die Frage, warum an nur einem Gebäudeteil das Konzept für ein ganzes Dorf scheitert, beantwortet Heidig nicht.

Der Sachgebietsleiter für Denkmalschutz Andreas Christl widerspricht: „Wir haben ihm Abrissgenehmigungen für mehrere Gebäudeteile erteilt.“ Doch handelte es sich offenbar nicht um die vom Bauherren geforderten. Der Denkmalschützer gibt noch etwas zu bedenken: „Unser Amt ist nicht dafür da, Besitzer zu maßregeln, sondern sie beim Schutz der historischen Substanz zu unterstützten“, sagt Christl. 


Im Falle Taubenheim seien jedoch bereits mehrere Auflagen angeordnet worden. Dazu gehörte vor allem die Sicherung der Dächer, doch über den reinen Bestandsschutz geht nichts hinaus. Georg Heidig sei diesen Verpflichtungen aber stets umfassend nachgekommen.


Die schwierige Suche nach Käufern

Doch es tut sich was. „Ich werde alles, was ich in Taubenheim besitze, verkaufen“, sagt der Investor. Grund seien unter anderem die Verwerfungen mit den Einwohnern des Dorfes. „Wenn man mich in Taubenheim nicht haben will, ziehe ich mich eben zurück“, sagt Georg Heidig. 

Der Wille zum Verkauf besteht mindestens seit 2017, da gab es zuletzt einen ernstlichen Interessenten für das Schloss. Doch der Deal platzte kurze Zeit später. Der Interessent Ronald Nüssler, der angeblich im Schloss Wein herstellen wollte, wurde inzwischen für seine Betrügereien zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.


Vor drei Wochen sei das Schloss jedoch endgültig verkauft worden. Den Namen des Käufers will Georg Heidig noch nicht preisgeben. 2017 lag der angepeilte Verkaufspreis des historischen Gebäudes bei rund 650.000 Euro, wenn die Summe dieses Mal in ähnlichen Bereichen liegt, hat sich das Manöver für Georg Heidig am Ende doch gelohnt. 


Schließlich hätte sich der Wert seit 2004 dann mehr als verzehnfacht. Ob Keips Gut oder das alte Schulhaus dem Schloss folgen und den Besitzer wechseln, ist fraglich. Beide Immobilien sind nicht annähernd so attraktiv wie der riesige ehemalige Rittersitz, der über dem Triebischtal thront. 



Kommentar: Das Patt von Taubenheim


Ein Kommentar von Maximilian Helm über den Taubenheimer Immobilienstreit.




















Es ist zweifellos immer schade, wenn wertvolle, historische Immobilien leer stehen. Im Dorfkern des beschaulichen Taubenheim betrifft das drei Gebäude: das Schloss, die alte Schule und Keips Gut. Alle drei gehören dem gleichen Investor, alle drei sind längst keine Augenweide mehr.


Nun gibt es dazu drei widerstreitende Parteien. Die Bewohner von Taubenheim sind zu Recht sauer, dass in ihrem Dorf leer steht, was es lebenswert machen könnte. Sie sehen die Schuld beim Investor Georg Heidig und der Gemeinde Klipphausen.


Doch die wiederum sagen, es gebe fertige Pläne für das Dorf, nur das Denkmalamt stelle sich quer. Das Denkmalamt spielt den Ball zurück, es hätte genügend Zugeständnisse gemacht, der Investor sei untätig. Dieses ganze Zirkulieren des Schwarzen Peters ist vor allem eines: völlig sinnlos.

Die Ursünde liegt darin, dass der Landkreis vor 15 Jahren das Schloss zu einem Spottpreis und ohne Auflagen an Georg Heidig verkaufte. Der nahm das Gebäude als Spekulationsobjekt, er wusste, dass das Schloss Taubenheim ein vielfaches wert ist. Wer hätte es nicht getan? Einen Vorwurf kann ihm deswegen kaum jemand machen. Das gilt für alle Objekte.


Es bleibt zu hoffen, dass künftig Bewegung in die Sache kommt und die anderen großen Taubenheimer Immobilien dem Schloss folgen und den Besitzer wechseln.


Und dass sich dann endlich Einwohner, Gemeindevertreter und Denkmalschutz an einen Tisch setzen und ein Konzept entwickeln. Das Dorf hat genügend Potenzial – höchste Zeit, es zu entfalten.


Schloss: Dr. Bernd Gross

Kommentar: Claudia Hübschmann


Dieser Text erschien zuerst in der Sächsischen Zeitung.

Der zitierte Leiter des Denkmalamts, Andreas Christl, starb im August überraschend. Die Gespräche mit ihm zu verschiedenen Themen waren meistens sehr angenehm und sachkundig.

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